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Kompetenz, Kunst und Kultur

Seit dem Altpleistozän ist es uns Menschen wichtig, gesund zu bleiben, einen ruhigen Schlaf zu haben und uns zu fortzupflanzen. Sind diese Bedürfnisse gedeckt und es ist noch etwas Zeit übrig, bemalen wir mit dem Blaubeernachtisch unser Mammutfell oder basteln uns eine Flöte. Diese Art von Freizeitgestaltung hilft unseren Kindern und uns selbst, im Spiel verschiedene Ereignisse zu reflektieren oder spielerisch vorweg zu nehmen. Je mehr wir diese möglichen Situationen in vielfältigsten Varianten simulieren bis hin zur Ritualisierung, desto besser können wir intuitiv bei einer realen Gegebenheit reagieren.

Kunst mit ihrer Freiheit und mit einer eigenen Ikonologischen Grammatik sowie Kultur in ihrer reproduzierbaren Form der Kunst haben einen unsäglichen Einfluss auf unser Handeln. Besser gesagt: Die Entwicklung unseres Seins geschieht durch die Stetigkeit des Informellen Lernens. Geschichten schmecken, Lieder sehen, Nahrung tasten, Farben riechen, Wärme fühlen und das alles in unzähligen Varianten bis sich aus der Gegebenheit der Dinge eine synergetische Struktur bildet, deren eigentlicher Inhalt nur in Bruchstücken in unser Bewusstsein dringt.

Schon in den ersten Monaten des Menschseins entwickeln sich in unserem Körper Cluster von Sicherheit und Scheitern, Apathie und Empathie, der eigene Rhythmus, die Toleranz von Ablehnung und Anerkennung, Flexibilität und Unnachgiebigkeit , die alle miteinander korrespondieren und sich beeinflussen. Das geschieht mit einer unüberschaubaren Menge an Informationen, die den Charakter eines jeden bilden. Deine Umwelt bildet dich. Informell.

Im besten Falle hilft ein ganzes Dorf, dich zu „erziehen“. Dieses kannst du dann deine Heimat oder deine Eltern, deine Freunde oder deine Kultur nennen. Und fühlst du dich wohl, dann gibt es für dich nicht Größeres. Nur dass du diesen Effekt jedem und jeder zugestehen musst. Es gibt keine Leitkultur. Auch die Römer verliebten sich in ihre Feinde und gingen so in den von ihnen befriedeten Kulturen auf, dass nur ihre Trümmer blieben.

Was bleibt ist eine statistische Hoffnung , die mit Zahlen belegt und mit Evolutionärer Erkenntnis theoretisiert werden kann. Der Mensch möchte geliebt werden, der Mensch hat eine evolutionäre Bisshemmung und der Mensch möchte in einer Gruppe integriert sein. Komme ich nun als Reisender in eine neue Gesellschaft, suche ich auch dort informell nach Gemeinsamkeiten und Partizipationspunkten. Gelingt die Akzeptanz des Anderen, Fremden, belohnen uns unsere Cluster mit einem Cocktail aus Glückshormonen.

Diese Tatsachen sollten wir uns auf unserem Weg bei der Vernetzung der Gärten, Think-Tanks, Werkstätten, nachhaltigen Lebensformen und technischen Lösungen bewusst machen.

Das Wissen und die Taten rund um die SDG´s müssen raus aus ihren Echokammern und ALLE, die uns als Trittsteinbiotope einer neuen Kultur hilfreich sein könnten, sollten wir partizipieren lassen. Ihre Kompetenzen sind es wert, geschätzt zu werden. Es macht Spaß, es ist spannend, schafft Arbeit, Selbstwertgefühl und ist auch irgendwie muggelig.

Ist auch immer mal der Eine oder die Andere vom Stamme Nimm dabei (ich, ich ,meiner, mir, mich), die unsere Netzwerke zum Springen missbrauchen.

„Laßt sie…auch das muß einer machen, um die Stabilität zu testen.“ ( Ivan Illich )

In Zukunft finden sie hier Links aus dem Raum des RCE-Ruhr, die Kunst als Informelles Lernobjekt nutzen.

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